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Homeschooling…

Nein, Homeschooling bedeutet nicht, dass du nun Fachlehrer deines Kindes bist und ihm Inhalte vermittelst, von denen du keine Ahnung hast oder haben willst.
Das ist nicht dein Job.

Nein, Homeschooling bedeutet auch nicht, dass du die Verantwortung dafür übernimmst, dass dein Kind an Tag X mühelos den Anschluss an den Lehrplan schafft.
Das kannst du gar nicht schaffen.

Nein, Homeschooling bedeutet schon gar nicht, dass du die Beziehung zu deinem Kind damit belastest, dass es sein Pensum schafft und es erledigt, was andere für erledigenswert halten.
Das schafft Distanz.

Nein, es ist nicht dein Kind, das leidet, wenn es jetzt den Anschluss verliert, es ist eure Beziehung, die leidet, wenn du Rollen annimmst, die dir nicht gehören.
Das willst du gar nicht.

Homeschooling bedeutet, dass dein Kind weiterhin an dir und durch dich lernt, so wie jeden Tag seines Lebens.
Es lernt an dir, wie du eine überfordernde Situation handhabst.
Es lernt an dir, wie du mit den daraus entstehenden belastenden Gefühlen umgehst.
Es lernt, wie es inneren Druck los wird oder Verantwortung übernehmen kann und es lernt auch zu unterscheiden, wofür es Verantwortung trägt und wie Abgrenzung funktioniert.

Vielleicht lernt es ja gar zu lernen oder es lernt ,was Lernen eigentlich bedeutet, also hinter dem Müssen und Abliefern, nämlich sich Wissen anzueignen.
Vielleicht entdeckt es seine Begeisterung für die Titanic oder das Kochen oder das Nähen oder das Gärtnern oder all das alte Werkzeug im Keller.
Vielleicht lernst du ja Lernen neu und entdeckst, dass du niemals aufhörst dazuzulernen und wie befreiend es sein kann, nicht zu müssen, aber zu wollen oder du lernst, wie komfortabel ein „Nein” sich anfühlen kann oder du lernst dein Kind neu kennen?

Vielleicht lernst du aber auch endlich, wie kurz eure gemeinsame Zeit ist und wie groß die Chance in all dem gerade ist, diese Zeit zu einer Besonderen zu machen.

Dein Kind verpasst gerade nichts, was es nicht nachholen könnte.
Pass auf, dass ihr nichts verpasst, was nicht nachzuholen wäre.

Erlebnisse.
Zeit.
Nähe.
Bindung.
Abenteuer.

❤️

Lass dir keine Erziehungsbären aufbinden…

Disziplinierung gehört ins Gestern.
Deine eigene Prägung – Schnee von gestern.
Dein Kind zu jemanden machen zu müssen war gestern.
Erziehungsstile – gestern.

Heute ist Bewusstsein, Authentizität, Beziehungsziele.
Damit begleitest du ein Kind, das in dieser Welt zurechtkommt ohne ihr ausgeliefert zu sein. Ein Kind, das seine Welt gestaltet, das Verantwortung für sich und andere übernimmt und das Erfüllung und Zufriedenheit findet.
In sich.
Weil es jederzeit über den Zugang in die Tiefe seines Wesens, seiner Stärke und seines ganzen Potenzials verfügt, der ihm ein sinnhaftes und zufriedenes und lebendiges Leben garantiert. Ein Zugang in sich selbst, seine Gefühle und Bedürfnisse und darin, wie diese Welt FÜR es funktioniert.
Frei von der Angst vorm Überleben, dem nicht gut genug sein, der Ablehnung, die so viele Menschen umtreibt.
Frei, es selbst sein zu können und dennoch nah und verbunden mit den Menschen, die es liebt.

Ich hab sie lang nicht mehr gepostet, aber heute stehen sie an:
Meine Top 10 der Erziehungsmythen:

1. Kinder brauchen Grenzen.

Mein Favorit. Nicht dein Kind braucht Grenzen. Dein Kind mag sich in innerer Freiheit entwickeln. Du brauchst Grenzen. Ganz nebenbei fühlt dein Kind sich sicher und von dir beschützt, wenn es dir gelingt, deine Grenzen souverän zu wahren.

2. Kinder brauchen Konsequenzen.

Konsequenzen brauchen Menschen nicht, sie erfahren sie ganz natürlich, ganz gleich ob sie sie brauchen oder nicht. Geh ich im Regen ohne Schirm spazieren, werde ich nass.
Was du tatsächlich ausdrückst, ist „Kinder brauchen Strafen“. Wenn dir die natürliche Konsequenz, nass geworden zu sein, nicht ausreicht, so darf ich beim nächsten Mal auch bei Regen nicht vor die Tür?
Verniedliche also nicht.
Sei so fair und nenn dein Tun beim Namen. Du bestrafst. Erst dann kannst du dich fragen ob du das wirklich möchtest.

3. „Der will nur Aufmerksamkeit..“

Das Kind hält sich nicht an Regeln, ist besonders laut und fordernd oder weinerlich?
Dann will es ja nur Aufmerksamkeit?
Verabschiede dich von dem Gedanken, dass Aufmerksamkeit ein böses, dich und deine Regeln und Bedürfnisse vernichtendes Ungeheuer ist, das wächst und sich vermehrt, je mehr Raum du ihm gibst.
Das Gegenteil ist der Fall. Gesehen-,Gehört-und Wahrgenommen-Sein sind Ausdruck von Wertschätzung und Liebe für den Menschen, der dir das meiste auf der Welt bedeutet.
Sie nährt dein Kind.
Wie natürlich, dass es dich auf seinen Hunger hinweist.
Wenn du satt bist, hörst du doch auch auf zu essen?

4. Erziehung ist Bauchgefühl.

Achtung, Falle. Dein Bauchgefühl ist oft geprägt von überlieferten Glaubenssätzen, Prägungen und unbewussten Mustern, die dir nicht dienlich sind.
Wenn du dir diese bewusst machst, wird aus Bauchgefühl Intuition und sie zeigt dir deinen wirklichen Weg.

5. Bedürfnisorientiert zu erziehen ist das Beste für dein Kind.

Und das Beste für dich.
Die Bedürfnisse deines Kindes wahrzunehmen, bedeutet nicht, deine hinten anzustellen.
Eure Bedürfnisse existieren nebeneinander und ihr dürft sie verhandeln. Das nennt sich Beziehung.

6. Kinder spiegeln uns.

Schlimmer.
Sie spiegeln deine Ängste, deine Schwächen, deine blinden Flecke.
Der Schmerz, den du deinem Kind unbedingt ersparen möchtest, ist deine größte ungesehene Wunde.
Mach eine Ressource daraus.
Sei all das, was du dir für dein Kind wünschst. Es lernt an deinen Taten, nicht an deinen Worten.

7. Du kannst etwas falsch machen im Umgang mit deinem Kind.

Ganz ehrlich, wenn du dir diese Frage stellst, ist es unwahrscheinlich, dass die großen und wichtigen Dinge bei dir wirklich schief laufen.
Was jetzt noch falsch laufen kann, ist, dass du in „richtig/falsch“- Kategorien denkst und dich damit so unter Druck setzt, dass du jegliches Gefühl für dein eigenes richtig/falsch verlierst.
Siehe Punkt 4.
Tausche richtig und falsch gegen gut und schlecht für dein Kind und gut und schlecht für dich.

8. Der ultimativ beste Erziehungsstil.

Gibt’s nicht.
Jeder Stil trägt naturgemäß das Dogma in sich, ganz gleich wie gut er gemeint ist, egal wie GUT er ist. An irgendeinem Punkt wird er dogmatisch weil er in richtig und falsch mündet oder du das Gegenteil dessen erreichst, was du ursprünglich vorhattest. Das liegt daran, dass in dir Mechanismen und Überzeugungen wirken, die du dir noch nicht angeschaut hast.
Siehe Punkt 4 und 6.

9. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Nein.
Vertrauen ist Liebe, Kontrolle ist Angst.

10. Du trägst Verantwortung dafür, wie sich dein Kind entwickelt.

Jein.
Du trägst Verantwortung dafür, ob du klar und aufgeräumt deinem Kind vorlebst wie Glück und Leben und Bewusstsein funktionieren und welches Werkzeug du in seinen Rucksack packst, damit es zu jedem Zeitpunkt seines ganzen Lebens klarkommen kann.
Deine Verantwortung endet jedoch vor der Stirn deines Kindes, weil es ein eigener Mensch ist, mit Recht auf eigene Erfahrungen, ganz gleich was du dir für es wünschst.

Du bist genug…

Du musst aus deinem Kind keinen anständigen Menschen machen.
Es ist bereits ein anständiger Mensch.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der dir folgt.
Es will dir bereits folgen.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der andere achtet, respektiert und sich einsetzt.
Der ist es bereits.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der sich an Regeln hält.
Das will es bereits.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der lern-und leistungsbereit ist.
Der ist es bereits.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der nicht aneckt.
Der ist es bereits.
Du musst nur aufpassen, dass das nicht so bleibt.

Du musst aus deinem Kind keinen Menschen machen, der in diese Welt passt.
Davon gibts schon so viele.
Du musst nur aufpassen, dass die Welt nicht so bleibt.

Du musst aus deinem Kind niemanden machen.
Es ist schon wer.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.

Du musst für dein Kind nicht richtig sein.
Das bist du bereits.
Du musst nur aufpassen, dass das so bleibt.
❤️
Du bist genug.

Na?

Heute schon belohnt worden?
Oder haste schon belohnt?
Wohnen bei dir Sticker und Sonnen?
Gönnst du dir die Tafel Schokolade nach einem richtig anstrengenden Tag?
Oder reicht es dir aus, alles einfach immer richtig gut und perfekt zu machen? In erster Linie natürlich für dich, klar, das ist einfach dein Anspruch. An dich. Von dir.
Nicht.

Ich arbeite täglich mit Menschen zusammen, die lange nicht mehr wissen was sie fühlen, die aber total gut funktionieren, weil sie genau fühlen, was die anderen von ihnen erwarten.
Das ist es nicht, was du für dein Kind möchtest.

Belohnungen sind die nette kleine Schwester der Bestrafung, weil sie nichts weiter sind als eine Konditionierung. Eine Konditionierung darauf, was vom Außen gewünscht ist und was nicht.

Das regelmäßige Erledigen von Hausaufgaben gehört genauso belohnt wie der Toilettengang oder das Zubettgehen ohne mittelschwere Nervenzusammenbrüche?
All das natürlich in der Hoffnung, das Kind möge die Wichtigkeit der gewünschten Aktion erkennen und die Notwendigkeit der Umsetzung adaptieren. Ein bissl Unterstützung in Form von Belohnungen kann da ja nicht schaden.

Doch.

Langfristig lernt dein Kind, sich daran zu orientieren, was das Außen möchte. Du, dein Mann, Oma, die Klassenlehrerin.
Dies ist das Gegenteil davon, was dein Kind tatsächlich stark macht, nämlich ein zuverlässiger Zugang in sein Wesen, seine Gefühle und Bedürfnisse und jederzeit zu wissen, was es braucht und wie es handeln kann um dieses Bedürfnis zu befriedigen (nein, daraus entstehen nicht Egoisten sondern Empathen).
Weil es das nämlich gelernt hat.
Selbstwirksam.
Intrinsisch- aus dem Inneren heraus.
Erst aus diesem Zugang heraus kann es überhaupt intrinsische Motivation und eigene Ziele entwickeln, die sich dann, mit ein bissl Glück 😉 mit deinen Hoffnungen decken.

Extrinsische Motivation in Form von Belohnungen (manch Erwachsener nennt sein Gehalt auch Schmerzensgeld!) dient maximal dazu, das emotionale Überleben zu sichern, indem es die Bindung zu dir oder dem Lehrer nicht gefährdet und damit Ablehnung nicht riskiert. Das tut es nicht, weil wir Erwachsenen so toll sind, sondern weil es, ganz biologische Überlebensstrategie, auf unsere Bindung angewiesen ist.
Ohne Bindung droht der gefühlte Tod, weshalb es eher sich selbst über die Klinge springen lässt, als die lebensnotwendige Bindung.

Dabei ist es überhaupt nicht entscheidend, ob du dein Kind tatsächlich ablehnst, sondern nur, was es versteht. Nicht was du beabsichtigst, sondern was es wahrnimmt, entscheidet darüber, wie es sich fühlt.
In Fall von Strafe oder Belohnung versteht es „ich werde X gewünscht und ich werde Y nicht gewünscht“ und es ist völlig wurscht, welch gute Absicht du dahinter verfolgst- nämlich dein Kind zu motivieren, ihm das Unausweichliche schmackhafter zu machen, es zu erfreuen.
Wurscht, wie wunderbar dein Wunsch darin- in deinem Kind findet Trennung statt. Es ist gezwungen, zwei widerstreitende Motivationen in sich gegeneinander abzuwägen: extrinsisch gegen intrinsisch. Innen gegen außen.
Und das nur, weil wir ihm nicht zutrauen und nicht genügend Raum bereitstellen, es selbst ausreichend wollen zu lernen.
Eine Handlung aus Angst.

Kein Wunder also, dass wir glauben, Selbstverständlichkeiten müssten belohnt werden.
Kein Wunder das kollektive Misstrauen, Kinder seien zügellos und unkontrollierbar und würden grundsätzlich dahin steuern, wo wir sie nicht sehen wollen.
Wie wir ja nun aus vielen Kommentaren des letzten Posts über Strafen wissen, herrscht in der Masse der Elternschaft die Überzeugung, dass Regeln nur unter Androhung oder Anwendung von Strafe eingehalten werden.
Vollkommen absurd.
Regeln brauchen zur Einhaltung Einsicht, nicht aber Strafe oder Belohnung.
Dazu müssen Regeln lediglich sinnvoll sein und die Beziehung zum Kind frei von einem Blick, der durch eigene Bedürfnisse getrübt ist, die das Kind zu erfüllen hat.
Ist nicht seine Aufgabe.
Das wird es aber ohnehin aufzeigen, indem es sich nicht an Regeln hält.
😊
Dein Kind möchte dir folgen, es möchte dir von Natur aus gefallen, schon weil es darauf angewiesen ist, es möchte dir vertrauen, dass die Entscheidungen, die du für es triffst, weil es sie noch nicht zu treffen in der Lage ist, in seinem Sinne sind und ihm dienen.
Und ja, dazu braucht es dein Vertrauen in dich, eben dass diese Entscheidungen richtig sind.

Wie wäre es also mal mit Lob (als Ausdruck der Anerkennung, nicht als Intention für etwas 😉)für dich, wenn es dir gelungen ist, ganz bei dir und deiner Intuition zu sein, anstelle von Belohnung für dein Kind, wenn es die „Richtig-Schublade“ bedient hat?

Wie wäre es mit einer Extra-Portion Vertrauensvorschuss, dass dein Kind naturgemäß den Wunsch nach Entfaltung in sich trägt, Ablehnung fürchtet und deine sanfte und klare Begleitung mehr als ausreichend ist, Werte zu entwickeln, die es nicht an den Rand der Gesellschaft katapultieren?

Wie wäre es mit geballter Ladung Vorfreude auf das, was dein Kind in die Welt bringt, weil es sich in der Beziehung zu dir nie zwischen sich und der Bindung zu dir entscheiden musste?

Wie wäre es mit dem Erhalt des Zugangs zu sich selbst, weil du weißt, dass er es ist, der das Leben deines Kindes lebenswert macht.

Dazu musst du dein Kind gar nicht verstehen.
Es reicht völlig, es zu fühlen.
❤️

Bei Amazon gibt es Belohnungstafeln. Ich möchte dir diese sehr ironische Rezension, die die Absurdität ganz wunderbar beschreibt, nicht vorenthalten 😍

„Die Tafel ist super, ich nutze zwei Stück.

Allerdings nicht in der Erziehung sondern eine beruflich damit alle machen was ich will und eine in der Partnerschaft.

Zunächst zur beruflichen

Als Abteilungsleiter einer kleinen Behörde bin ich befugt Prämiensysteme einzuführen.
Die Tafel bietet sich wunderbar dafür an.

Seit sie in meinem Büro hängt habe ich meine Mitarbeiter viel besser im Griff.

Ich vergebe Sterne für Sauberkeit am Schreibtisch, für die Auswahl der Kleidung (bei den Damen gerne etwas knapper), kleine Gefälligkeiten die mir entgegengebracht werden und niedere Botengänge auf die bisher niemand Lust hatte. Sternabzug gibt es für Kritik.

Das geniale ist, dass ich alleine über die Tafel verfüge.
Wenn ich den Stern nicht geben will sage ich einfach, dass mir der Tisch nicht sauber genug oder der Gefallen nicht hochwertig genug war.
So kann ich sehr gut intervenieren wenn mir mal jemand dumm kommt.

Am Ende der Woche schauen wir dann gemeinsam und derjenige der die meisten Punkte hat darf am Wochenende das Handy ausmachen und wirklich frei haben.
Die anderen haben Rufbereitschaft im Ordnungsamt.

Nun zu der Tafel daheim, die ist noch viel genialer, meine Frau war immer ziemlich faul.
Beispielsweise hat sie selten geputzt, das Auto war nie getankt, sie war generell irgendwie so unhöflich.

Auf der Tafel gibt es jetzt Punkte für Sauberkeit der Wohnung, Sex, Komplimente und Massagen, hier auch Sternabzug für Kritik.

Wenn sie genug Sterne am Ende der Woche gesammelt hat, dann darf sie einen Abend in der nächsten Woche weggehen.
Aber nicht Freitag oder Samstag, das will ich nicht.

Also mein Leben hat die Tafel revolutioniert.
Ich finde es toll, wenn ich ein Kind habe werde ich auch dafür sorgen dass es macht was ich will, mit Tafel Nummer 3.“

Nenn mich naiv…

…aber mit welchem Recht dürfen Eltern oder Lehrer ein Kind bestrafen?
Wo ist das moralische Okay dazu, aus der Beziehung auszusteigen, subjektive Urteile zu fällen, das Kind zu demütigen und es auf erniedrigende Weise zu konditionieren, den eigenen Regeln zu folgen?
Wo leben wir denn?
In welchem Zeitalter leben wir denn bitte?
Wieso müssen wir auch nur eine einzige Sekunde darüber diskutieren, ob überlegene Erwachsene unterlegenen Abhängigen ihre Macht demonstrieren müssen?
Wie kommen wir denn dazu, dieses Gift in der Beziehung zu einem kleinen Menschen zu verteilen, der auf uns angewiesen ist, der nicht abhauen kann, ganz gleich, welche erzieherische Bankrotterklärung wir ihm zumuten und damit seine Seele belasten?
Wie kommt ein Lehrer dazu, Kindern die Pause zu nehmen, weil es ihnen an diesem Tag zu schwer fiel still zu sein? Hat er wirklich die Hoffnung, das Kind wäre ohne Pause leiser?
🤷🏻‍♀️
Wie kommen wir dazu, Auszeiten zu verhängen, in denen beunruhigte Kinder sich in ihrem Zimmer beruhigen sollen, wie kommen wir zu Ausgangssperren, Medienentzug und Strafarbeiten?
Haben wir wirklich die Hoffnung der Einsicht oder reicht uns die Kapitulation vor Strafe?
Überfällst du nicht die nächste Tankstelle weil du Angst vor der Strafe hast oder weil du den Sinn der Regel, Tankstellen nicht zu überfallen, gecheckt hast?

Gah!
Wir stellen also Regeln auf (Legislative), setzen ihre Durchführung um (Exekutive) und fällen das richterliche Urteil (Judikative). Wir sind die gesammelte Macht in einer Person.
Weil wir’s können.
😀
Absurd.

Selbst vor Gericht gilt bis zum Schluss die Unschuldsvermutung und die Schuld muss zweifelsfrei bewiesen werden, ansonsten lautet die Devise „im Zweifel für den Angeklagten“, wobei selbst der ein Recht auf einen Anwalt hat (welchen hat ein Kind in seiner Klasse und wenn du vor Wut kochst?)!
UND: das Vergehen muss vorsätzlich sein um sich strafbar zu machen und damit eine Strafe zu erwirken.
Kinder handeln aber nie vorsätzlich gegen jemanden, die quatschen nämlich höchst selten um dem Lehrer und der Klasse zu schaden, sondern um sich selbst zu nutzen, sie handeln also quasi maximal fahrlässig – weil sie es nicht besser können !
Was in Gottes Namen gibt uns also das Recht, ihnen nicht dabei zu helfen, das zu lernen, sondern sie mieser zu behandeln, als jeden potentiellen Straftäter und nicht mal ihre Grundrechte zu wahren?
Klingt immer absurder, oder?
Sag’s mir. Bitte. Wieso bestrafen wir sie und wieso lassen wir zu, dass andere das tun?

Weil es ja nur Kinder sind?
Weil die irgendwo ganz am Anfang im Besitzdenken stehen, quasi der verlängerte Arm der eigenen Person, ein Aushängeschild, das poliert sein will?
Weil wir zu faul sind, uns Arbeit zu machen und in uns und die Beziehung zu investieren?
Zeit, Nerven, Anstrengung, Liebe wo Wut ist?
Oder weil wir gelernt haben, dass Strafen und die kleine Schwester Belohnung, erfolgversprechende Metboden sind, kleine Menschen auf Spur zu bringen?
Weil es so schön einfach ist und funktioniert und ja nicht geschadet hat und dieses Kind uns einfach keine andere Wahl lässt?

Nein.
Wir bestrafen weil wir hilflos sind, das gelernte und durch eigene Strafen tief verinnerlichte Mittel nicht in Frage stellen und weil wir es uns nicht leisten können, den Schmerz, den wir dem Kind damit zufügen zu fühlen. Dabei wäre genau das der erste Schritt.

Dein. Kind. Leidet. Wenn. Es. Bestraft. Wird.

Wir sind mitten in einem Wertewandel der Erziehung, Beziehung, Nicht-Erziehung, völlig Wurscht, wie du es nennst.
Strafen sind nicht mehr zeitgemäß.
Sie gehören ins Mittelalter. Von mir aus auch in die Industrialisierung und die NS-Zeit.
Aber sie gehören nicht ins Heute.
Disziplinarische Maßnahmen auf schuldeutsch erzwingen soziale Disziplin.
Um Disziplin zu lernen, braucht ein Kind Erwachsene, die sich ihm zuwenden und die Hürden überwinden, die die Disziplinlosigkeit erst verursacht haben.
Du kannst ein Problem nicht mit dem selben Mittel lösen, mit dem es entstanden ist.

Neue Ziele und Werte erreichen wir nicht durch überholte Methoden.
Neue Methoden funktionieren nicht bei überholten Werten.
Lass dein Kind dieses Dilemma nicht ausbaden.

Wo Liebe zum Menschen wirkt, kann niemals Strafe sein.
Du kannst das besser.
Und du darfst das verdammt nochmal einfordern.
In jedem Kindergarten, in jeder Klasse, von dir.
Dazu musst du nur eins.
Fühlen.
Dich.
Und dann dein Kind.
Kannst du.
❤️

Alle wollen individuell sein, aber wehe jemand ist anders…

Letztens hab ich gelesen, wie eine „Kollegin“ davon berichtete, dass die Mutter die gemeinsame Arbeit feiert, weil das Kind es endlich schafft, „schön auf der Aufstelllinie“ zu warten und es kaum noch „Dinge vergisst.“
Ich dachte zuerst, dass ich mich gnädigerweise verlesen habe, hab ich aber nicht.
Das sind Elternwünsche.
Und es gibt Trainer, die das bedienen.
Und das macht mich nicht nur sprachlos, sondern unfassbar traurig.
Nichts gegen Kinder die an ihren Schulkram denken und auch mal warten können- aber hier gehts um so viel mehr, weil Menschen so viel mehr sind, als das, was sie tun.
Es geht um Werte. Gesellschaftliche und ganz individuelle, um Persönlichkeit und das Recht zu sein UND das auch noch auszudrücken.

Solange wir die „Noch-Richtigen“ als die „Falschen“ ablehnen, die Fühlenden, die Aufsteher, Nein-Sager, die Eckigen, die Nicht-Stillsitzer und Lebendigen, die Mitfühlenden und sich-in-ihrer-Schwäche-Zeigenden, die Fordernden, die zu-laut-oder-zu-leise-Kinder, die Langsamstarter, Vorprescher und die Traurigen,
solange wir die „Falschen“ zu den „Richtigen“ erklären, solange wir in der Reihe stehen, mitschwimmen, Rücksichtslosigkeit tolerieren, Egoismus fördern, Leistung Solidarität sticht, Ellenbogen einsetzen, Gefühlsamputation zur Normalität erklären und unsere Kinder hinein quetschen, damit sie nicht über die Linien malen, solange werden diese erwachsenen Kinder danach suchen, wer sie mal waren.
Solange werden sie sich gefühlstaub, unerfüllt, überfordert, vom eigenen Leben gelangweilt oder enttäuscht fühlen.

Alle wollen individuell sein, aber wehe jemand ist anders 😉
Dabei sind wir doch alle anders.
Und das eint uns dann ja wieder.
Es braucht nur einen kleinen Schritt hin zu dir, in deine Angst, dem Drumherum nicht zu genügen in deinem Anderssein und dem Anderssein deines Kindes.
Ein Schritt, der das Wesen deines Kindes feiert.
Es erhält.
Es respektiert.
Und nebenbei die Welt verändert.

Ich wünsch dir dich und deinem Kind wünsch ich sich, denn wenn du nicht du bist, ist es niemand.
❤️

Die Dinge haben genau die Bedeutung, die du ihnen gibst…

Zu wollen, dass dein Kind dir zuhört, ist eine negative Erfahrung. In dir.
Zu akzeptieren, dass dein Kind dir gerade nicht zuhört, ist eine positive Erfahrung. In dir.
Eine positive Erfahrung zu wollen, ist also eine negative Erfahrung.
Eine negative Erfahrung zu akzeptieren, ist eine positive Erfahrung.

Etwas zu wollen, was nicht ist, bringt dich nicht näher zu dem, was du dir wünschst.
Dein Kind hört dir nicht mehr zu, nur weil du das willst.
Es zu wollen entfernt dich sogar davon.
Dein Kind hört dir dann maximal deshalb zu, weil du das willst, nicht weil es das will. Ist das dein Anspruch?
Immer wenn du unbedingt möchtest, was gerade fehlt, verstärkst du die Tatsache, dass es nicht da ist. Du nimmst an deinem Kind also Millionen Dinge nicht mehr wahr, sondern ausschließlich die Tatsache, dass es dir nicht zuhört. Tunnelblick. Es hört nicht zu, es zählt nicht was du willst, es ist egal was du sagst.

Etwas für dein Kind zu wollen, was nicht ist, hält dich nicht nur unzufrieden, besorgt und im Mangel, es entfernt dich damit sogar von dem, was du dir für dein Kind wünschst
UND
es entfernt dich von deinem Kind
UND
dein Kind entfernt sich von sich, denn je mehr du möchtest, dass es zuhört, desto mehr Grund entwickelt es, das nicht zu wollen, denn wenn sein Tun nicht mehr seinen Wünschen entspricht, sondern deinen, hat es viele gute Gründe, sich auch in anderen Bereichen zu entziehen.

Das Beispiel ist völlig austauschbar.
Je mehr du möchtest, dass dein Kind glücklich ist, desto weniger wirst du sein Glück erkennen.
Je mehr du etwas für dein Kind vermeidest, Sorgen, Ängste, Schwierigkeiten, desto weniger wird es ihnen gewachsen sein und desto mehr wird es davon haben.

Je mehr du glaubst, dass es mehr von etwas braucht, desto weniger wirst du bemerken, was schon alles ist.

Je leichter es dir fällt, zu akzeptieren wer dein Kind ist, desto stärker wird seine Persönlichkeit sein.
Je leichter es dir fällt, zufrieden zu sein mit dem was ist, desto zufriedener wirst du sein.
Und dein Kind.

Akzeptanz ist nicht Resignation, sondern die liebende Annahme dessen, was ohnehin ist und damit der Nährboden für alles, was du dir tatsächlich wünschst.
Damit ist sie die positive Erfahrung die es braucht, um zu verändern, was nicht gewünscht ist.

Stress hast du immer dann, wenn das, was gerade ist, nicht mit dem übereinstimmt, was du gerne hättest.
Anstatt zu versuchen, zu bekommen, was du gerne hättest und dafür unter Umständen andere Menschen zu bewegen, etwas zu tun oder irgendwie zu sein, die dabei dann womöglich noch im Widerstand landen und dich ohnmächtig und noch frustrierter zurücklassen, könntest du ja mal, ganz gewagt, akzeptieren was ist.
Rate, was dann mit deinem Stress passiert.
😊
Akzeptanz ist nicht Resignation.
Resignation geht ein Kampf voraus.
Akzeptanz geht Vertrauen voraus.
Akzeptanz öffnet die Türen für das, was du eigentlich möchtest, weil du erst dann die Möglichkeit hast, wahrzunehmen, was ist und nicht was soll.

Deine Zufriedenheit von etwas abhängig zu machen, was noch nicht ist, raubt dir nicht nur den Moment, der am Ende dein Leben ist, sondern deine Zufriedenheit selbst.
Weil du einfach nie zufrieden sein kannst.
Weil es nie gut ist.
Weil du immer noch was suchst und brauchst.
Weil erst noch etwas eintreten muss.
Weil.

Steig da mal aus.
Die Dinge haben genau die Bedeutung, die du ihnen gibst.
Mach aus brauchen mal haben.
Mach aus suchen mal finden.
Aus wollen mal spüren.
Und aus Begehren Dankbarkeit.

Dann wird aus Mangel Fülle.
Und dann nenn das dein Leben.
Dein Kind nennt das Kindheit.

❤️

Ehrlich?

Manchmal interessiert mich kein Warum.
Dann mag ich mich nicht fragen, was jetzt schon wieder das Problem ist.
Da liegen zum 7. Mal in dieser Woche die Klamotten vor der Dusche auf dem Boden. Daneben ein frisches Handtuch.
Eins das ich vorher gewaschen, getrocknet, gefaltet und verräumt hab, du kennst das.
Die Dusche ist gepflastert mit umgeworfenen Shampooflaschen und einem halben Dutzend klitschnasser, triefender Kuscheltiere.
Ich mag mich dann nicht fragen, was an meinen letzten 743 Aufforderungen, das Bad doch bitte so zu verlassen, wie es vorgefunden wurde, so unverständlich war.
Ich mag dann nicht wissen, welche Gründe dieses Kind hatte, meine deutlichen Worte von gestern, vorgestern und dem letzten Monat zu ignorieren oder zu vergessen.
Ich mag mich auch überhaupt nicht fragen, was das mit mir zu tun hat!
Ich mag einfach nur, dass es diesen Mist aufräumt.
Immer.
Denn ich wohne auch in diesem Bad.
Das ist schließlich eine Frage des Respekts vor den Wünschen anderer.
🤪
Nicht bei der ersten Aufforderung und auch nicht bei der fünften. Aber spätestens wenn meine Wünsche täglich und je nach Tagesform auch lautstark Ausdruck finden, muss doch klar sein, dass ich das ernst meine?
Wie rücksichtslos kann so ein Zehnjähriger sein?
😇
Spätestens bei der Frage merke ich dann, dass ich voll in die Falle getappt bin.

Dann hab ich mir die Haare gerauft, dann bin ich frustriert, dann hab ich sogar mein Kind bewertet.
Und dann wird klar, hier gehts doch schon lange nicht mehr um Klamotten und aufgeräumte Duschen.
Hier gehts um das Gefühl gehört zu sein.
Und genau dieses Gefühl hat zwei Ebenen:
eine Ebene die im Heute stattfindet und auf der wir uns über chaotische Badezimmerzustände, verlorenes Hab und Gut, Selbstbedienung an elterlichem Besitz, zu laute Musik, „falsches“ Benehmen und was weiß ich nicht alles aufregen.
Zu Recht.
Wieso sollten wir auch so tun, als fänden wir gut, was wir blöd finden?
Wieso sollten wir nicht benennen, dass ein Verhalten nicht wertschätzend ist ?
Wieso sollten wir nicht dafür einstehen, dass die eigenen Bedürfnisse ähnlich hohe Wichtigkeit besitzen?
All das erlauben wir ja auch unserem Gegenüber.

Aber da gibts noch eine andere Ebene, die im Heute mitmischt. Eine alte, unbequem pieksende, sehr klebrige Ebene des Gefühls, die das innere Monster in uns weckt, das das Kind als Person rücksichtslos findet, das Benehmen grenzüberschreitend oder respektlos und die uns gleichzeitig vorgaukelt, sie sei das Heute.
Ist sie aber nicht.
Sie ist das Gestern.

Sie ist die Ebene, die dir bewusst wird, wenn du dir selbst dabei zuschaust, wie unangemessen deine heutige Reaktion in Bezug auf das Ereignis ist. Wie heftig die Bewertung des kindlichen Verhaltens ausfällt, wie ausdauernd du das Verhalten ablehnst. Wie heftig du dich verletzt, nicht gesehen, unwichtig, bedroht, ignoriert, ängstlich fühlst und dich weigerst das zu akzeptieren.
Wie heftig in dir wirken kann, was mal verletzt hat, wenn diese Stelle nur ausgiebig genug bearbeitet wird.
Von deinem Kind.
Dass das Badezimmer in ein Schlachtfeld verwandelt und es danach anzündet.
Gefühlt.

Und dann hat das Gestern doch wieder was mit Heute zu tun.
Dann steht diese vermaledeite Dusche doch in Zusammenhang mit dem, was ich über die Welt außerhalb der Dusche glaube.
Dann hat dieses Kind es mal wieder geschafft, mir zu zeigen, wo ich noch ein wenig runder werden darf.
Nur damit wir uns richtig verstehen- das mit der Dusche und den 743 Aufforderungen find ich immer noch blöd.
Bleibt auch so.
Kommunizier ich auch so. Nur anders.
Ohne die Schwere des Monsters im Nacken, dafür mit tropfendem Kuscheltier im Arm.
Dann ist der Druck raus, die Last, die Schwere. Dann ist’s klar und leicht und die Ebenen sind voneinander getrennt.
Und dann klappt’s auch mit der Dusche.
Zumindest für die nächste Woche.
Dann geht das Drama von vorne los.
Aber dann bin ich gewarnt, dann steig ich früher aus.
😀
Ja, Dinge dürfen auch einfach mal reibungslos funktionieren und Duschen dürfen aufgeräumt sein, ohne dass wir hierfür unsere eigene Kindheit zerlegen. Aber sie funktionieren einfach besser, wenn wir bemerken, dass das Erkennen der Verbindung aus gestern und heute ein Hilfsmittel ist, das erst für den reibungslosen Ablauf sorgt.
Erst dann erkennst du, dass du unaufgeräumte Duschen irgendwann schrecklich vermissen wirst.
Erst dann kannst du problemlos 742 Mal wiederholen, was du dir wünschst-was du nicht brauchst, weil erst dann dein Kind erkennt, dass es ja hier um herumliegende Klamotten geht.
Erst dann ist wieder klar, was wirklich wichtig ist.
Eure Verbundenheit.
Jetzt.
❤️

Unterschiedliche Welten…

Was du über die Welt glaubst, erklärt das Verhalten deines Kindes
Willst du das das Verhalten sich ändert, ändere was du glaubst.
Glaubst du nicht?
Glaub ich dir.
Denn würdest du es merken, würdest du es ja ändern.
Nur weil du etwas nicht siehst, kann es dennoch wirken. Sterne am Tag. Die Sonne in der Nacht. Strom aus der Steckdose.
Alles da, auch wenn du es nicht siehst.
Und das hochwirksam.

Nein, das bedeutet nicht, das deine Kindheit an allem schuld ist. Schuld ist eh keiner. Es bedeutet, dass immer, wenn du nicht weiterkommst, das am Gestern liegt.
Denn gestern hast du gelernt was du heute glaubst. Und als würde das nicht reichen: zwischen gestern und heute hast du auch noch gelernt, so zu handeln, dass
das, was du glaubst, wahr bleiben kann:
Du bist nicht gut genug?
Du reißt dir drei Beine aus und es reicht dennoch nie.
Es geht nie um dich und nur du bist für alles zuständig?
Du kümmerst dich um alle und jeden und bleibst auf der Strecke, wirfst das aber anderen vor.
Du traust dir eher wenig zu, glaubst du schaffst das nicht?
Du versuchst es irgendwann gar nicht mehr.
Ablehnung ist gefährlich?
Du gibst alles um immer für jeden „richtig“ zu sein.

Reicht immer noch nicht?
Was du glaubst über die Welt, ist das, was dein Kind von dir als die Welt erfährt, weil es ja deine Welt als die Welt erfährt.
Das ist der Grund, warum zwei Menschen auf demselben Planeten aber in unterschiedlichen Welten leben können.
Das ist der Grund, warum das Verhalten von Kindern immer logisch und sinnvoll ist und warum Eltern diese Logik so schwer erkennen können.
Dazu müssten sie ihre eigene innere Welt kennen. Nach und nach die blinden Flecken in sich entdecken und dann entscheiden, in welche Welt sie ihr Kind entlassen wollen.

Was du über die Welt gelernt hast, erklärt das Verhalten deines Kindes
Willst du dass das Verhalten sich ändert, ändere was du glaubst.
Weil sich dann dein Erleben verändert.
Was dich anders handeln lässt.
Was deinem Kind erst die Wahl gibt, andere Reaktionen zu erwägen.
Was ihm die Freiheit gibt, sich zu verhalten, wie es seinem Wesen entspricht und nicht einer Notwendigkeit, sein Wesen zu wahren.

Was du über die Welt gelernt hast, erklärt dein Verhalten.
Willst du, dass sich dein Verhalten ändert, ändere was du glaubst.
Was du über deine Welt glaubst, entscheidest heute du.
Du ganz alleine.
❤️

Wechsel in den Modus Liebe

Wie reagierst du, wenn es nicht läuft, wie du es dir gerade wünschst und brauchst?
Welches ist deine biologische, voreingestellte Lieblingsreaktion auf Gefahr oder alles was dein Unterbewusstsein dafür hält?
Kämpfen, totstellen oder flüchten?
Mehr Auswahl hast du ja im ersten Moment nicht, denn bis der Verstand einsetzt, hast du längst entschieden- du möchtest ja überleben und das muss schnell gehen.
Ja, auch wenn die „Gefahren“ sich verändert haben und der Säbelzahntiger nicht mehr jeden Morgen vor deiner Höhle wartet, sondern Chefs, das System, Existenzängste und Schwiegermütter oder die Sorge um dein Kind, so hat sich unser Repertoire an Reaktionen darauf überhaupt nicht verändert.

Bleibt die Frage, worin du heute etwas als Gefahr wahrnimmst und wieso.
Darin, dass dein Kind Hausaufgaben und alles, was mit Schule verwandt ist, verweigert und du hilflos mitansehen musst, es nicht zu erreichen? Wie soll das nur weitergehen wenn es Notwendigkeit und den Ernst der Lage, im Leben zu bestehen, nicht erkennt?
Darin, dass du die Dinge regelst und andere sich entziehen, indem sie es einfach unterlassen, am selben Strang zu ziehen, dich zu unterstützen und du wieder und wieder um‘s Selbe bittest?
Oder darin, dass du deine Kinder unbedingt beschützen musst vor der unreflektierten Erziehung deines Partners, dem Lehrer, der dein Kind nicht sehen kann wie du es tust oder der Ablehnung durch seine Freunde?

All das erhält von deinem inneren System die Überschrift „Gefahr“, all diese Sorgen müssen überwunden, die Hindernisse beseitigt werden, damit du dich entspannen kannst, damit die Situation geklärt ist, damit es gut ist.
Damit du überlebst.
Im Damit, in deiner Absicht hinter deinem Wunsch, versteckt sich das, was du vermeiden möchtest, deine ganz persönliche Gefahr, derer du dich entledigen möchtest.
Dein hochindividueller Trigger, dein dir hinterherlaufender Schatten, der dich am Schlawittchen packen möchte, „damit“ endlich Ruhe ist.
Dagegen ist ja erst mal nichts einzuwenden, ich persönlich find es sehr angenehm, dass alles in mir auf Leben ausgerichtet ist.

Wenn wir’s uns nur nicht so verdammt schwer machen würden, damit.
Wenn wir nur nicht gegen das Außen kämpfen würden, gegen das, was als Gefahr sichtbar wird, aber tatsächlich gar nicht die Gefahr ist,, zumindest nicht in dem gefühlten Ausmaß.
Wenn unser Unterbewusstsein nur unterscheiden könnte, ob „reale“ Gefahr herrscht oder mich eine Situation nur auf 127 Umwege an eine sehr früh als Gefahr erlebte emotionale Erfahrung erinnert.
An Bindungsverlust, fehlenden Schutz oder Leere.
Wenn wir nur heute von gestern unterscheiden könnten.

Dann würden wir nicht mehr mit unseren Schatten kämpfen oder sie verlassen wollen.
Dann würden wir gemeinsam Kaffee trinken und uns über das Überengagement unseres inneren Überlebenden amüsieren.
So ist das jedoch alles andere als lustig.
Schließlich gehts ja hier um alles.
Um Leben oder Tod.
Gute Gründe, sich in der Hausaufgabenfrage auch so zu fühlen, oder?
🙃
Es ist schon ein paar Jahre her, als mir nach einem Kinobesuch ein Schwert vor die Füße lief. Nach einem Film, den ich mir nie im Leben freiwillig ausgesucht hätte, stand da so ein riesiges Pappmaché- Schwert beim Kino-Altpapier herum.
Ich hab`s ja gar nicht mit Schwertfilmen, Schwertkämpfen und dem lauten Gebrüll, das dazugehört.
Aber, wie sollte es anders sein, ich hab ein Kind, das sich dafür begeistert 🤷🏻‍♀️
Das Schwert ist also bei uns eingezogen und auch nie wieder ausgezogen und ich frage mich seither, was an Kämpfen so faszinierend ist..
Natürlich kämpfen wir alle den ganzen Tag. Um etwas. Gegen anderes. Mit jemandem.
Laut, leise, destruktiv, manchmal unmerklich.
Wie ein Schwert eben. Geschaffen, um zu verteidigen oder zu verletzen.
Nichts anderes verursacht Kampf und nichts anderes begründet Kampf.
Verteidigung und Verletzung.

Wenn wir wenigstens wüssten, was wir da tun. Wenn wir wenigstens so klar wären, das „Damit“ zu erkennen und zu bemerken, dass unsere Energie für etwas oder gegen etwas schon im Moment des Kampfes dran glauben muss und es am Ende meist gar nicht mehr um das Ergebnis geht, sondern nur noch ums Gewinnen und die Abwehr von vermeintlicher „Gefahr“ und der Wiederherstellung der Sicherheit.
Die gerne in Verbundenheit und Nähe besteht.
Oder Harmonie.
Und auch wenn das Motiv, das all den Frust und Ärger initiiert hat, ein löbliches war, ein nachvollziehbares…wen interessiert das am Ende eines Kampfes noch??

Wie oft glauben wir zu wissen, was gut ist für unser Kind, während es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Waffen in die Schlacht zieht um sein Innerstes zu verteidigen?
Unsere Erwartungen abzuwehren, die Ansprüche zu zerschlagen und den Schmerz über den Verlust, nicht in ganzer Facette angenommen zu sein, nicht zu spüren?
Dein Kind möchte deine Ängste nicht haben.
Weil es deine sind und nicht seine.

Wann immer sich ein Kind in (Auto-)Aggression oder passivem Widerstand befindet, ist es im Kampf.

Und dann hast du zwei Möglichkeiten.
Immer.
Du kämpfst mit und vergisst irgendwann einfach worum es geht (nämlich deine eigene Sicherheit und die Abwehr dessen, was du mal als Gefahr abgespeichert hast: Ohnmacht, Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung) und wunderst dich.
Sicher ist, die Schlachten werden härter, die Verluste größer und das Ende rückt in Ferne.

Oder.

Du erkennst die Bedrohung deines Kindes, die es in den Kampf führt. Die pure und reine Verteidigung seines ureigenen Wesens. Laut mit Schwert oder still und in sich zurückgezogen wie eine Schildkröte.
Sei der Uno-Blauhelm und steh da drüber.
Über deiner eigenen Angst.
Weil du nichts zu erreichen hast, ist ja alles schon da.
Weil du auf der selben Seite stehst.
Weil du seine Grenzen wahren kannst und ihm hilfst, sich selbst zu helfen.
Weil du weißt, dass wir 2020 schreiben und dein Kind sicher ist, auch wenn es heute keine Lust auf Hausaufgaben hat (was nicht gleichbedeutend ist mit „es macht sie nicht“ oder es ist dir egal!)
Weil du ohnehin die einzige bist, die aus dem Kampf aussteigen kann.
Dein Kind kann das nicht.
Und wenn, dann nur mit sehr großem Opfer.

Es ist nicht seine Aufgabe den Kampf zu verlassen, es ist deine.
Der Kampf mit deinem Kind ist nur Schauplatz für die nicht geführte Auseinandersetzung mit deinen eigenen Schatten.
Ein Ablenkungsmanöver deines Unterbewusstseins, das gerne loswerden möchte, was ihm wie ein Schatten folgt.

Kampf ist das Gegenteil von Loslassen und Vertrauen.
Erst wenn du den Kampf verlässt, kannst du dich auseinandersetzen mit dem, was übrig bleibt von der vermeintlichen realen Gefahr.
Erst dann gehts um die „Sache“.
Um nicht gemachte Hausaufgaben, um die Existenz, um den Lehrer, der‘s nicht besser kann.
Erst dann verlässt dein Gehirn den Überlebensmodus, erst dann kannst du Lösungen finden.

Beim nächsten Schlagabtausch frag dich „Was würde die Liebe jetzt sagen?“
Schlag dem Überlebensmodus ein Schnippchen und wechsel in den Modus Liebe.
Was würde die Liebe sagen?
Ach was.
Frag dich das gleich jetzt.
Direkt.
💚

Heute ist heute…

Wenn du dich heute mit deinem Kind streitest oder dich sorgst, wenn du es zu etwas aufforderst, es bittest, etwas in seinem Verhalten zu unterlassen, wenn es Eigenheiten gibt, die du an ihm ablehnst…dann streitest du dich nicht nur mit deinem Kind um die Sache, dann sorgst du dich nicht nur um die Sache, dann stört dich nicht nur die Sache, dann forderst du nicht nur die Sache..

Dann vermischen sich die Ebenen.
Immer.
Das liegt daran, dass in unserem Erleben grundsätzlich unser Unterbewusstsein die Führung übernimmt, weil es die Sammelfundstelle ist für alle gemachten Erfahrungen und Erlebnisse und es daraus akribisch Schlüsse darüber gezogen hat, was für dich gut ist.
Dann hat dein dein Unterbewusstsein die Hauptrolle.
Dann denkst du A und handelst B.
Dann entspricht deine Handlung nicht mehr deiner Haltung.
Dann bist du nicht mehr 30 + x Jahre alt, sondern 10-x.
Dann trittst du nicht mehr nur für die Sache ein, sondern für dein Überleben.
Dann ist heute gestern.
Und du merkst es nicht mal.
Du merkst es maximal daran, dass dein Kind „die“ Knöpfe drückt, die dich unverzüglich in den Autopiloten versetzen und du nur noch aus Wut bestehst.
Oder aus Angst.

Du merkst es, wenn du dich mal wieder nicht gehört, nicht gesehen, unwichtig fühlst in deinen Wünschen.
Du merkst es daran, dass du dein Kind erreichen möchtest und dein Kind nicht erreicht werden möchte.
Du merkst es daran, dass du dein Kind Gefahr laufen siehst, abgelehnt, ausgeschlossen oder für „falsch“ gehalten zu werden.
Du merkst es, wenn die Gefühle um dein Kind herum Gefühlen gleichen, die du schon sehr oft hattest und von denen du vor langer Zeit beschlossen hast, sie nicht mehr zu fühlen.
Vielleicht sogar so sehr, dass du all das kaum bemerkst.
Aber du bemerkst.
Du bemerkst, dass all diese Gefühle schon immer da waren und dein Kind sie nur sichtbar werden lässt.

Es ist deine Aufgabe herauszufinden, welche Gefühle das sind, wo sie hingehören und sie für dich zu lösen.
Weil du erst die damit verbundene aber unbewusste Gefahr lösen musst: gut genug zu sein. Abgelehnt zu werden. In den eigenen Grenzen missachtet zu werden. Nicht wichtig zu sein.
Weil du die Bedürfnisse deines Kindes nur erkennen und ggfs. versorgen kannst, wenn du dein potentiell nicht versorgtes emotionales Grundbedürfnis nach Schutz oder Zugehörigkeit oder nach Autonomie erkennst. Und es versorgst.

Weil es deine Aufgabe ist, im Heute zu sein.

Hör auf damit, dein altes unbewusstes, unerfülltes Bedürfnis nach Schutz, nach Sicherheit, nach Freiheit, nach was auch immer, zu überhören, während du versuchst, das Bedürfnis deines Kindes heute zu befriedigen.
Hör vor allem auf, dich gleichzeitig über das unerwünschte Verhalten deines Kindes zu wundern, das nur eine höchst schlüssige Folge deiner Zerrissenheit ist.

Befriedigte Bedürfnisse verschwinden.
Unbefriedigte Bedürfnisse ploppen wie ein unterwünschtes Pop-up immer wieder auf.

Bis du es erkennst.

Zieh die alte Brille mit der alten Wahrnehmung aus. Sie ist schon ganz trüb.
Heute ist heute ist heute ist heute.
❤️

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