Ehrlich?
Manchmal interessiert mich kein Warum.
Dann mag ich nich nicht fragen, was jetzt schon wieder das Problem ist.
Da liegen zum 7. Mal in dieser Woche die Klamotten vor der Dusche auf dem Boden. Daneben ein frisches Handtuch.
Eines, das ich vorher gewaschen, getrocknet, gefaltet und verräumt hab, du kennst das.
Die Dusche ist gepflastert mit umgeworfenen Shampooflaschen und einem halben Dutzend klitschnasser, triefender Kuscheltiere.
Ich mag mich dann nicht fragen, was an meinen letzten 743 Aufforderungen, das Bad doch bitte annähernd so zu verlassen, wie es vorgefunden wurde, so unverständlich war.
Ich mag dann nicht wissen, welche Gründe dieses Kind hatte, meine deutlichen Worte von gestern, vorgestern und dem letzten Monat zu ignorieren oder zu vergessen.
Ich mag mich auch überhaupt nicht fragen, was das mit mir zu tun hat!
Ich mag einfach nur, dass es diesen Mist aufräumt.
Immer.
Denn ich wohne auch in diesem Bad.
Das ist schließlich eine Frage des Respekts vor den Wünschen anderer.
🤪
Nicht bei der ersten Aufforderung und auch nicht bei der fünften. Aber spätestens wenn meine Wünsche täglich oder bei schlechter Tagesform auch mal lautstark Ausdruck finden, muss doch klar sein, dass ich das ernst meine?
Wie rücksichtslos kann so ein Kind sein?
😇

Spätestens bei der Frage merke ich dann, dass ich voll in die Falle getappt bin.
Dann hab ich mir die Haare gerauft, dann bin ich frustriert, dann hab ich sogar mein Kind bewertet.
Und dann wird klar, hier gehts doch schon lange nicht mehr um Klamotten und aufgeräumte Duschen.
Hier gehts um das Gefühl gehört zu sein.
Und genau dieses Gefühl hat zwei Ebenen:
eine Ebene die im Heute stattfindet und auf der wir uns über chaotische Badezimmerzustände, verlorenes Hab und Gut, Selbstbedienung an elterlichem Besitz, zu laute Musik, „falsches“ Benehmen und was weiß ich nicht alles aufregen.
Zu Recht.
Wieso sollten wir auch so tun, als fänden wir gut, was wir blöd finden?
Wieso sollten wir nicht benennen, dass ein Verhalten nicht wertschätzend ist oder mit den Werten des Zusammenlebens kollidiert?
Wieso sollten wir nicht dafür einstehen, dass die eigenen Bedürfnisse ähnlich hohe Wichtigkeit besitzen?
All das erlauben wir ja auch unserem Gegenüber.

Aber da gibts noch eine andere Ebene, die da im Heute mitmischt. Eine alte, unbequem pieksende, sehr klebrige Ebene des Gefühls, die das innere Monster in uns weckt, das das Kind als Person rücksichtslos findet, das Benehmen grenzüberschreitend oder respektlos und die uns gleichzeitig vorgaukelt, sie sei das Heute.
Ist sie aber nicht.
Sie ist das Gestern.

Sie ist die Ebene, die dir bewusst wird, wenn du dir selbst dabei zuschaust, wie unangemessen deine heutige Reaktion in Bezug auf das Ereignis ist. Wie heftig die Bewertung des kindlichen Verhaltens ausfällt, wie ausdauernd du das Verhalten ablehnst. Wie heftig du dich verletzt, nicht gesehen, unwichtig, bedroht, ignoriert, ängstlich fühlst und dich weigerst das zu akzeptieren.
Wie heftig in dir wirken kann, was mal verletzt hat, wenn diese Stelle nur ausgiebig genug bearbeitet wird.
Von deinem Kind.
Das das Badezimmer in ein Schlachtfeld verwandelt und es danach anzündet.
Gefühlt.

Und dann hat das Gestern doch wieder was mit heute zu tun.
Dann steht diese vermaledeite Dusche doch in Zusammenhang mit dem, was ich über die Welt außerhalb der Dusche glaube.
Dann hat dieses Kind es mal wieder geschafft, mir zu zeigen, wo ich noch ein wenig runder werden darf.

Nur damit wir uns richtig verstehen- das mit der Dusche und den 743 Aufforderungen find ich immer noch blöd.
Bleibt auch so.
Kommunizier ich auch so. Nur anders.
Ohne die Schwere des Monsters im Nacken, dafür mit tropfendem Kuscheltier im Arm.
Dann ist der Druck raus, die Last, die Schwere. Dann ist’s klar und leicht und die Ebenen sind voneinander getrennt.
Dann liegt die Verantwortung für meine Gefühle wieder bei mir und die Verantwortung für das Aussehen des Badezimmers beim Kind.
Und dann klappt’s auch mit der Dusche.
Zumindest für die nächste Woche.
Dann geht das Drama von vorne los.
Aber dann bin ich gewarnt, dann steig ich früher aus.
😀

Ja, Dinge dürfen auch einfach mal reibungslos funktionieren und Duschen dürfen aufgeräumt sein, ohne dass wir hierfür unsere eigene Kindheit zerlegen. Aber sie funktionieren einfach besser, wenn wir bemerken, dass das Erkennen der Verbindung aus gestern und heute ein Hilfsmittel ist, das erst für den reibungslosen Ablauf sorgt.
Erst dann erkennst du, dass du unaufgeräumte Duschen irgendwann schrecklich vermissen wirst.
Erst dann kannst du problemlos 742 Mal wiederholen, was du dir fürs Zusammenleben wünschst-was du nicht brauchst, weil dein Kind dann erkennt, dass es ja hier um herumliegende Klamotten geht und anders reagieren kann.
Erst wenn du dich nicht mehr fragst was du „tun sollst, damit..“, sondern was du „fühlen sollst, damit..“, kannst du die beiden Ebenen trennen.

Erst dann ist wieder klar, was wirklich wichtig ist.
Eure Verbundenheit.
Jetzt.
❤️

Lass uns gern wissen, wenn du Unterstützung brauchst beim auseinanderhalten, das ist unsere Spezialität.

Kein Kind ist ein Problem und Kinder schaffen auch keine Probleme.
Kinder zeigen Probleme auf.
Nämlich die der Umgebung.
Im Kind wird lediglich sichtbar, was die Umgebung nicht erkennt.

Probleme liegen ursprünglich nicht im Kind.
Das Kind hat lediglich Probleme, das Problem als solches zu erkennen, denn das kann ja nicht mal die Umgebung und das Kind hat ein noch größeres Problem damit, keine Probleme zu machen, damit es für seine Umgebung unproblematisch ist, denn damit wäre das Problem für das Kind ja nicht gelöst und tatsächlich versucht es mit dem, was du als Problem wahrnimmst, das ursprüngliche Problem zu lösen.
😀
Wie klug!

Ein Problem, das es übrigens nicht hätte, wenn du dir anschauen würdest, an welcher Stelle du Probleme hast, dir selbst zu begegnen, denn dann würde es nicht mit Hilfe eines dir unerwünschten Verhaltens ein unbefriedigtes Bedürfnis zu befriedigen versuchen.
Dein Kind ist nämlich nicht, was es tut.
Was es tut, ist lediglich sichtbarer Ausdruck seines Empfindens und was dir problematisch erscheint, ist sein Versuch der Lösung.

Der Ursprung deiner heutigen Herausforderung im Umgang mit deinem Kind (deinem Partner, deinem Chef) liegt in einer Überzeugung, die du über dich in der Welt gewonnen hast und die dir entweder nicht bewusst ist oder von der du nicht weißt, wie du sie endlich los wirst.
Du springst immer auf dieselben Themen an und dazu brauchst du Sparringspartner, die dir spiegeln, wo du in dir nicht ganz rund bist:
Menschen, die keine Verantwortung übernehmen und alles dir überlassen.
Menschen, die keine Rücksicht nehmen und dich wertlos zurücklassen.
Menschen, die sich über dich erheben und dich verurteilen oder ablehnen.
Menschen, von denen du glaubst, dass sie die Macht haben, dir bestimmte Gefühle zu verpassen, die dich ungesehen und unwichtig, minderwertig, kochend vor Wut oder hilflos und ohnmächtig fühlen lassen.

Welcher Mensch eignet sich wohl besser, dich mit dem in dir zu konfrontieren, was dir hinterherläuft, als der Mensch, vor dem du nicht weglaufen und ausweichen kannst, weil er der dir am wichtigsten und nächsten ist?
Weglaufen unmöglich?
Trennung ausgeschlossen?
Wegsehen unerträglich?

Du hast an dieser Stelle genau drei Möglichkeiten:
1. du wiederholst In Endlosschleife was du in der Beziehung in wiederkehrenden Situationen fühlst, ohne es fühlen zu wollen, immer wieder und behauptest „ist ja gar nicht so schlimm“ oder versuchst nacheinander 723 Möglichkeiten, das Problem im Kind zu lösen, denn dort nimmst du das Problem ja wahr.
2. du überträgst die Verantwortung für das was zwischen euch passiert auf dein Kind. Dann macht es in deiner Welt Probleme, erhält vielleicht Diagnosen, die dich das „Problem“ bekämpfen lassen und du entfernst dich weiter von dir selbst.
3. du löst das Problem ursächlich und für dich, und in dir und freust dich darüber, dass dein Kind keine Probleme mehr machen MUSS und begegnest deinem Kind so, wie du es dir eigentlich und immer gewünscht hast.
Frei und in Liebe.

Nein, nein, das bedeutet nicht, dass deine böse Kindheit schuld ist, du das Problem bist oder du Schuld hast (es gibt hier gar keine Schuldigen) oder dass du deine Vergangenheit auf links drehen musst und für jedes Verhalten das dein Kind an den Tag legt, deine Vergangenheit ursächlich ist.
Es bedeutet, dass die gültigen und wirksamen (!) Überzeugungen über dich in der Welt ihren Ursprung in der Welt derer haben, die dir ihre Welt als die Welt gezeigt haben.
Das heisst also lediglich, dass du die Verbindung, die Kausalität zwischen heute (Problem) und gestern (Ursprung) erkennen musst.
Ich nenn sie immer roten Faden.
Mach daraus einen roten Teppich aus Ursache und Wirkung und entzieh der Wirkung ihre Wirkung und dein Erleben verändert sich.
Und dein Problem löst sich in Luft auf.
Und das deines Kindes gleich mit.
Dein Kind erhält die Chance, nicht deine Welt als die Welt zu erfahren, sondern seine eigene Welt zu erleben.

Probleme sind Geschenke.
Deine.
Pack sie aus.
❤️

Letztens wurde ich gefragt, was jemand tun soll, wenn das Kind vor dem Essen ein Nutellabrot möchte.
Obwohl das Essen nur noch fünf Minuten dauert.
Obwohl es das Lieblingsessen des Kindes gibt.
Obwohl diejenige alle guten Gründe aufgefahren hat, sich die Zustimmung ihres Kindes zu ihrem Nein zur Süßigkeit einzuholen.
Das Kind fand das Nein so blöd, dass es den Fernseher mit Sonnencreme verziert hat.
Das fand die Mutter berechtigterweise sehr blöd.

Wir waren uns an dieser Stelle schnell einig, dass es hier nicht um Nutellabrote geht, sondern um ein unterdrücktes Autonomiebedürfnis, das Nutellabrote und Sonnencreme benötigt, um auf sich aufmerksam zu machen.
Nicht ganz so schnell waren wir uns einig in ihrer Bereitschaft, nicht zu einer Handlung finden zu müssen, um die nächste brisante Nutellasituation aufzulösen.
Ich verstehe den elterlichen Wunsch zu wissen, was zu tun ist und ich bin großer Fan von unversehrten Fernsehern, aber um zu wissen, was zu tun ist, müssen wir einen Unweg gehen und die Frage nach der Handlung hintenanstellen und die Frage nach der Haltung in den Vordergrund rücken.
Wir müssen uns fragen, was wir fühlen und denken beim Nutellabrotnein und bei all den anderen Neins davor und vor allem bei unserem Wunsch, das Kind auch außerhalb dieser Situationen zu führen, zu bewahren, zu beschützen, zu wissen was gut für es ist, es an uns zu binden und ja, es zu kontrollieren in seinen Handlungen.
Weil wir es ja gut meinen.
Autsch.
💚

Nicht was du tust, in einer einzelnen Nutellasituation, entscheidet also darüber, wie sich die Beziehung zu deinem Kind gestaltet, nicht irgendein Erziehungsstil und nicht ob du das „Richtige“ tust, sondern deine Haltung entscheidet darüber, was du da gerade tust.
Das Motiv hinter dem Motiv entscheidet, wie die Sache ausgeht.

Irgendeinem Erziehungsstil oder irgendeiner Handlungsempfehlung für diese eine Situation kommt nämlich immer deine innere Haltung in den Weg, denn sie ist es, die du mit dir spazieren trägst – ob du es merkst oder nicht, und ob du es willst oder nicht.
Und in einem Nein zu einem Nutellabrot kann sich genauso viel Elend sammeln wie in einem Ja. Die Antwort auf diese Frage ist völlig beliebig, solange die unbewusste Haltung dahinter nicht klar ist, die dazu führt, dass im Kind ein Mangel entsteht, der sich auf eine beliebige Weise, mal laut und offensiv und mal leise und ohne Kampf, ausdrückt.

Die Lösung ist selbstverständlich abermals nicht die Handlung und damit ein unbegrenztes Ja zu Nutellabrötchen, auch wenn diese Schlussfolgerung schnell und gern gezogen wird. Die Konsequenz daraus kann es nur sein, sich zu fragen, was in deiner grundsätzlichen Haltung, die das Kind den lieben langen und ganzen Tag wahrnimmt, signalisiert, dass du der Entscheider bist.
Die Instanz.
Die Macht.

In deiner Haltung finden sich all deine über Jahre gesammelten Erfahrungen, vor allem aber all die unbewussten Überzeugungen, die du aus deinen Erfahrungen gefolgert hast und da jeder Handlung eine innere Haltung vorausgeht, wirst du im Zweifel gemäß deiner Haltung handeln und nicht gemäß dessen, was nun besser wäre.
Oder andersrum: handelst du entgegen deiner inneren Haltung fühlt sich das für dich falsch an und dein Kind verwirrt es.
Haltung sticht Handlung.

Das alleine wäre ja schon unschön genug, aber an genau dieser Stelle landen dann viele Eltern in der persönlichen Schuldfalle. Denn wenn sie wirklich gute Eltern wären, dann würden sie das ja wohl hinbekommen, so denken sie.
Nein.
Würdest du nicht.
Wenn du das Essen versalzen hast, hilft es nicht zu pfeffern, bis du das Salz nicht mehr schmeckst. Du musst erst den Salzgeschmack neutralisieren – ich glaube, meine Oma hat dann eine Kartoffel hineingegeben.

Wenn du die Beziehung zu deinem Kind verbessern möchtest, kümmere dich um deine Haltung, nicht um deine Handlung.
Aus authentischer Haltung, die dir entspricht, deinem ganz eigenen „Gut“ und „Schlecht“ für dich und dein Kind, fern von erziehungsstilspezifischen „Richtigs“ und „Falschs“, die zwar manchmal wünschenswert, aber nie erstrebenswert sind, erwachsen Handlungen, die dich für dein Kind vorhersehbar, nahbar und echt machen und die es in seiner Wahrnehmung stärken, weil Innen und Außen übereinstimmen.
Dann kann deine Handlung am Montag eine andere sein als am Freitag und noch immer einer kongruenten Haltung entspringen.
Dann kann das Nutellabrot okay sein weil du darüberstehst und die offenkundige Not der fehlenden Autonomie dein Kontrollbedürfbis sticht.
Dann kann das Nutellabrot nicht okay sein, weil es dir gelingt, mit deinem Kind über sein echtes Bedürfnis dahinter zu sprechen und es während der anderen 23 Stunden des Tages zu versorgen.
Da stellt sich die Frage nach dem Nutellabrot nicht mehr, weil es die Situationen nicht mehr gibt, weil du längst daran arbeitest, Gott und die Welt nicht mehr krampfhaft festzuhalten, aus Angst, die Kontrolle zu verlieren.

Dann gehts nicht mehr um Ja oder Nein, sondern um Haltung, die euch entspricht, während du einfach Ja oder Nein sagen kannst.
Weil dein Kind dann weiß, wer du bist und nicht wer du zwanghaft sein musst.
Weil es dann lernt, dass Beziehung nur ohne Masken funktioniert und auch Erwachsene mal ohne Plan sein dürfen, wachsen dürfen, Fehler machen dürfen.
Weil ihr euch dann nah sein könnt, nicht müsst.
Nur wer nah sein möchte, weil er auch anders kann, muss nicht Distanz schaffen und Fernseher zerstören.

Echte Nähe zu deinem Kind entsteht in dir.
❤️
Break the cycle.

Licht erkennst du nicht als Licht, ohne dass es drumherum dunkel ist.
Groß erkennst du nur als groß, weil du weißt, was klein bedeutet.
Freude identifizierst du als Freude, weil du Trauer erfahren hast.
Dich erkennst du in deiner Ganzheit nur, wenn du dich den Teilen in dir stellst, die du (in anderen) ablehnst.
Und daher kann dein Kind nur ganz und gar sein wer es ist, wenn alles an ihm willkommen ist, weil du nichts mehr an dir ablehnen musst.

Kinder sind Meister darin, uns mit der Nase in genau die Ecken zu schubsen, in denen wir uns gar nicht gern aufhalten.
Das liegt daran, dass diese Schatten dein Kind anderenfalls dazu zwingen würden, die Teile in sich abzulehnen, die du in dir und vor dir selbst abzulehnen gelernt hast und da macht das Unterbewusstsein deines Kindes und die gute Bindung zu ihm dir einen Strich durch die Rechnung.
Also katapultiert dich die Nähe zu deinem Kind exakt dorthin, wo’s dunkel und unbequem ist und ungemachte Arbeit auf dich wartet, deren Existenz du beinahe vergessen hast.
Ganz zielsicher genau dorthin, wo deine Schatten, deine Ängste und Vermeidungsstrategien, die dich davon abhalten sollen, dich damit auseinanderzusetzen, wovor du dich wirklichwirklich fürchtest, gemeinsam herumlungern und achtsam dafür Sorge tragen, dass sie unentdeckt bleiben.
Unbewusst halt.

Und das waren wirklich nützliche Gehilfen 😊
Viele Jahre helfen sie dir schon dabei, dich vor allem und jedem zu beschützen, was oder wer dich gefährden könnte:
vorm verlassen werden, vor Nähe, vor Ablehnung, vor Grenzüberschreitung, vor Ohnmacht, vor Verantwortung, vor Scham und Schuld.
Such dir was aus.

Manchmal ist die Angst, dich all diesen dunklen Gestalten zu stellen, so groß, dass du sie gar nicht als das bemerkst, was sie ist. Sie tarnt sich dann als Wut oder als wiederkehrender Konflikt mit anderen oder als Charakterzug oder sie macht sich einfach unsichtbar.
Nur weil du sie nicht erkennst, ist sie dennoch da.

Und dann hast du ein Kind.
Näher geht nicht.
Mehr Liebe nicht vorstellbar.
Dieses perfekte Wesen stellt sich im Laufe der Zeit als eigenständiger Mensch heraus, als eigene Persönlichkeit mit eigenen, manchmal sehr herausfordernden Eigenschaften, ein Wesen auch mit Schatten.
Kleine und große Schatten.
Und manchmal gefährden diese Schatten die Tarnung deiner Schatten.
Ist ja schließlich dein Kind und eure Schatten könnten verwandt sein.

Dann kann dein Kind dich in nullkommagarnix in unbändige Wut versetzen.
Da gelingts diesem kleinen Wesen, dich in Ohnmacht und Hilflosigkeit zu katapultieren oder es schließt dich aus und macht dich zum Zuschauer seines Lebens, weil seine Entscheidungen niemals deine sind.
Die Gefühle, die das in dir verursacht, sind für dich kaum aushaltbar, die willst du nicht, die musst du schnell wieder loswerden.

Stellt sich nur die Frage, wie.
Vielleicht suchst du dann nach Erziehungsratgebern, die dir endlich Aufschluss darüber geben, warum dein Klnd deine Gremzen nicht achtet, keine eigene Motivation entwickelt oder überall aneckt.
Vielleicht suchst du dort auch nicht, sondern versuchst das Problem im Kind zu lösen, denn da taucht es ja auf. Dann wünschst du dir mehr Kooperation und du neigst vor lauter Not vielleicht dazu, so zu konditionieren, dass das unerwünschte Verhalten aufhört.
Manche Kinder können sich dieser Verantwortung dann nur noch entledigen, indem sie diagnosewürdiges Verhalten produzieren, womit dann scheinbar alle entlastet sind. Krankheit als Ursache ist leichter zu bekämpfen als es selbst und das macht die Situation für alle erträglicher.

Welche unbewusste Strategie du auch wählst, um diesen unerwünschten Schatten in dir nicht zu begegnen, du löst dein Problem nicht.
Symptomatisch auf etwas zu reagieren, löst dein Problem niemals ursächlich.
Ist einfach nicht zu Ende gedacht.
Immer wieder sie selben Mittel anzuwenden und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen, ist nahe am Wahnsinn, sagte Einstein, so sagt man.

Und als sei es nicht genug, dass diese Wege zu nichts führen, nein, du verschlimmbesserst die Situation noch, weil dein Kind lernt (und das musst du nicht mal herbeiführen wollen, das macht dein Kind ganz alleine), dass bestimmte Anteile in ihm nicht wünschenswert sind. Jene Anteile, die in dir auslösen, was du in die dunkle Evke ausgelagert hast.
Das weiß dein Kind aber nicht.
Es spürt nur.
Alles was es spürt, ist, so darf ich sein und so lieber nicht- so bin ich liebenswert, gewünscht und sicher und so spüre ich Ablehnung, Angst und das gilt es unbedingt zu vermeiden.
Was glaubst du wohl, was es mit diesen nicht gewünschten Anteilen macht?
Genau.
Es gibt da eine dunkle Ecke…

Dein Kind bedingungslos anzunehmen, heißt nicht, mit allem was es tut, einverstanden zu sein.
Bedingungslose Akzeptanz bedeutet für dein Kind, sein zu dürfen wer es ist, ganz gleich, was das in dir auslöst.
Dein Kind ohne Bedingungen anzunehmen, bedeutet keinerlei Bedingungen an die Nähe zu dir und damit an seine Bindung zu knüpfen, von denen es sich dann irgendwann lösen muss, um es selbst sein zu dürfen.
So wie du heute.

Dazu braucht’s lediglich deine Verantwortung für deine dunklen Ecken.
Dort wartet sie schon, die Bedingungslosigkeit.
Deine.
Für dich.
So wie du bist, bist du bereits perfekt.
Du musst gar nicht lernen, dich in Gänze zu mögen, du musst dich nur erinnern.
Daran, dass du ganz sein magst.
Daran dass du sicher und frei sein kannst.
Daran, dass du dich gar nicht mehr ablehnen musst.
Daran, dass du dich nach echter Nähe sehnst.

❤️
Break the cycle.