Führung…

Ich hab mich beim Anblick dieses Bildes gefragt, wie die Entenmama es geschafft hat, dass alle Jungen ihr brav hinterherwackeln.
Sie sieht sich nicht mal um, um zu kontrollieren, ob auch noch alle da sind, sie geht einfach davon aus.

Ich meine, mit welchen „Konsequenzen“ droht eine Entenmama, wenn die Kleinen nicht folgen?
Schwimm-und Tauchverbot?
Keine Fischleckerlis?

Unsere Auswahl, unsere Kleinen und kleinen Großen zum Folgen zu bewegen, sind da wirklich zahlreicher.
Immer mehr Medien- immer mehr Mittel, die du als “Konsequenz” einsetzen kannst.
Vorliebe für Süßes? Tja – nicht bei dem Benehmen.
Schon wieder eine Arbeit vergeigt? Dann fällt das geliebte Sporttraining eben aus.
Das ist eine “natürliche” Konsequenz. Muss das Kind ja lernen.
Nicht.

Blöd nur, wenn das Kind phasenweise oder länger, so gar nicht mehr freiwillig folgt und du mit Konsequenzen (bei der Gelegenheit nennen wir das dann mal gleich beim Namen: das Ding heißt Strafe!) nur so um dich schmeißen musst.
Und sich trotzdem nichts verändert.
Weil das Kind einfach nicht verstehen mag, wieso es auf dich hören sollte und es dir deshalb erst gar nicht mehr zuhört obwohl du es gut mit ihm meinst.
Und mit dir.

Ein guter Zeitpunkt, den eigenen Anspruch auf Folgsamkeit unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, welche guten Gründe das Kind hat, eine so laute eigene innere Stimme zu entwickeln, dass es dich nicht mehr hören kann, oder?
😊
Kinder folgen ganz automatisch.
Eigentlich.

Das tun sie, weil sie Führung und Zugehörigkeit benötigen, ihre Eltern die Größten sind und weil es, ganz unemotional-biologisch, ihr Überleben sichert.
Dein Kind ist auf deine Bindung angewiesen und wird dir erst mal von Natur aus folgen und sein Bedürfnis nach Autonomie zurückstellen.
Das tut es genau so lange, wie es sein emotional grundlegendes Bedürfnis nach Autonomoie nicht konsequent missachten muss, weil du entschieden haben könntest, dass das Folgen wichtiger ist, als das Nicht-Folgen.
Das Gemeine ist, diese Entscheidung muss dir nicht mal bewusst sein, du musst sie gar nicht in dir erkennen können, sondern triffst sie womöglich nur im Verhalten deines Kindes als striktem Verweigerer an.

Wenn du dir also mehr Folgsamkeit wünschst, vor allem in Momenten, in denen es in deiner Welt selbstverständlich sein sollte, brauchst du deine Bereitschaft in den nicht selbstverständlichen Momenten, auf Folgsamkeit verzichten zu können.
Und das sind die meisten Momente des Tages. Mindestens 90 von 100 Situationen in deinem Alltag benötigen keine Folgsamkeit deines Kindes, während du sie dennoch voraussetzt.
Du setzt voraus, dass du besser weißt.
Und damit tappst du in die Falle.

Folgen heißt nämlich nicht hören.
Die Kinder hören alle gut 😀
Hören meint gehorsam sein.
Hören meint, du akzeptierst am besten kommentarlos was ich dir sage, auch dann, wenn du anderer Meinung bist.
Und ja, Hören meint auch deinen Wunsch nach Zustimmung deines Kindes.
Abgenickter Gehorsam quasi, die Light Version, getragen vom Wunsch nach Harmonie.

Folgen durch Führen meint genau das nicht.
Folgen entsteht aus Vertrauen und Loslassen.
Das wiederum erfordert deine Bereitschaft, dem Nein zu begegnen.
Deinem Nein und dem deines Kindes.
Kinder folgen dann gerne, wenn sie der Ansicht sind, dass derjenige, der vorausläuft, den Plan vom großen Ganzen hat, den Durchblick quasi.
Wenn sie darauf vertrauen können, dass derjenige in ihrem Sinne entscheidet und sie so führt, wie sie es selber tun würden,wenn sie es schon könnten aber eben noch nicht können und weil derjenige sie auch entscheiden lässt, wo sie es bereits können. Und weil derjenige Erwachsene jederzeit bereit ist, zu überprüfen, was das Kind schon kann, weil er weiß, wie wichtig es ist, es maximal selbständig und autonom entscheiden zu lassen.
Weil derjenige Erwachsene seine eigenen Grundbedürfnisse nach Schutz und Zugehörigkeit einerseits und Autonomie und Selbstwirksamkeit andererseits, längst für sich geklärt hat und daher entspannt begleitet und vom Kind weder das eine, noch das andere braucht.

Eine gelassene erwachsene Führung, die sich selbst nicht so wichtig nimmt, weil sie weiß, dass sie wichtig ist und sich deshalb nicht wichtig fühlen muss.
Wer sich selbst schätzt, muss das nicht von anderen einfordern.
Eine souveräne Führung wirft nicht künstlich mit „Konsequenzen“ um sich, sondern handelt aufgrund ihrer Haltung, die die Richtung vorgibt, ohne am Ergebnis zu hängen, jederzeit bereit, sich zu irren.

Also wie eine Entenmama.
😀
Ja ja, das mag im Tierreich um ein Vielfaches instinktiver ablaufen, im Ergebnis bleibt es ähnlich.

Folgen ist das Ergebnis einer guten Bindung.
Bindung ist nur dann bedingungslos wenn du weder deine, noch die Freiheit deines Kindes fürchtest.
Und daran kannst du nun wirklich schrauben.
Ist halt nur deine Schraube und nicht die des Kindes.

Aber das war ja schon vorher klar.
Nimm dich dabei also selbst nicht so ernst.
Nimm das Leben nicht so ernst.
Nimm den Ernst dabei nicht so ernst.
Nimm andere Menschen und ihre Erwartungen nicht so ernst. Das ist ihre eigene Aufgabe, nicht deine.
Nimm dabei die Handlungen deines Kindes nicht so ernst. Es handelt nicht gegen dich, sondern für sich und es ist deine Aufgabe es darin zu verstehen und zu erkennen, wo du ihm dabei im Weg herumstehst, es selbst zu sein.
Es sind die Entscheidungen die wir treffen, die ausdrücken, wer wir sind und Kinder, die ihr Nein brauchen wir die Luft zum Atmen, fehlt dieser Ausdruck.

Und während du alles nun nicht so ernst nimmst, nimm dein Kind mehr als wichtig, denn nur dann wird es zu einem Menschen, der sich in seinem Wesen. geschätzt, wichtig und bedingungslos wertvoll fühlt.
Nur dann geschieht die Begleitung deines Kindes im Sinne deines Kindes und nicht in deinem.
Und dann bereichert es diese Welt mit all den Schätzen, die jetzt noch in ihm schlummern und die es hinter seinem Nein noch nicht entdecken konnte.

Gib ihm Luft.
❤️
Break the cycle.

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