Aufmerksamkeit…

Wenn dein Kind an dir zieht und zerrt und nölt und jammert oder fortwährend Dinge tut, von denen ihr beide wisst, dass du sie ablehnst, dann will dein Kind nicht deine Aufmerksamkeit im Sinne deiner Reaktion.
Dann möchte dich dein Kind darauf aufmerksam machen, dass ihm etwas fehlt.
Sein Verhalten ist seine Sprache und du musst lernen, sie zu verstehen.

Lass dir also bitte im ersten Schritt von Menschen im emotionalen Minus nicht erzählen, dass du dein Kind verwöhnst, wenn du seine Bedürfnisse befriedigst.
Alle!
„Wenn du jetzt soviel tröstest, fordert es das beim nächsten Mal ein, ohne das was ist.“
„Der will ja nur Aufmerksamkeit.“
„Wenn du immer gleich hinrennst, wenn es schreit, gewöhnt es sich daran“
Ja hoffentlich.

Solche Sätze hast du sicher schon mal gehört, vermutlich auf recht ablehnende oder abwertende Weise, ganz so, als sei das entweder nicht ernst zu nehmen oder eben unverschämt vom Kind, in jedem Fall aber in Dosis und Wirkung strengstens zu beobachten und schnellstens zu unterbinden, falls sich da unter dem Sehen und Fühlen und Versorgen nicht doch heimlich ein Tyrann entwickelt!
Wer hat sich das ausgedacht?

Die Tendenz, Aufmerksamkeit zu rationieren, aus Angst, das Kind könne immer mehr und mehr verlangen, so wie ein gefräßiges, nimmersattes Monster, ist, als würdest du ihm Nahrung vorenthalten, weil du glaubst, dass es durch das Essen immer hungriger werden würde und es dafür verurteilen, überhaupt hungrig zu sein. In der Folge verweigerst du ihm dann die Nahrung und wunderst dich, dass das Schreien und Einfordern immer lauter werden?

Aufmerksamkeit ist Nahrung für die Seele.
Dein Kind braucht sie beständig, aber nicht über seinen Appetit hinaus und es will auch nicht zum Fixpunkt deiner Aufmerksamkeit werden. Es möchte nicht, dass du dich um es drehst, wie die Erde um die Sonne.
Wenn es aber nach deiner Aufmerksamkeit verlangt, dann ist es hungrig.
Nach Nähe, Schutz, Bindung oder Wertschätzung und Hunger ist nicht verhandelbar.
Verlangt es keine, ist es satt und in seinen Bedürfnissen sicher und versorgt, denn voll ist voll.
Befriedigte Bedürfnisse verschwinden, unbefriedigte nie und Wünsche sind nicht Bedürfnisse.

Ein lautes, forderndes und nahezu unstillbares Bedürfnis nach gesehen-und-gehört-sein, das Menschen vermeiden wollen, entsteht eben erst durch Rationierung und weist auf großen Hunger hin und ist immer damit verknüpft, wie gut du dich selbst wahrnimmst, wertschätzt und wie geliebt und versorgt du dich von dir selbst fühlst.

Fehlende Aufmerksamkeit verursacht ein Loch.
Einen Mangel.
Ein Minus.
Ein Zuwenig an „alles ist schon gut.“
Also hab Verständnis für jene, die ihre Unheilheit und ihre Sehnsucht nach gesehen und gehalten sein, nach Nähe oder Trost im Mangel verstecken. Im Fordern, im Aberkennen, im Leugnen.
Und hab auch Verständnis dafür, wenn du gerade nichts zu geben hast, weil du selbst im Minus steckst. Weil du zu wenig schläfst, zu viel tust, zu wenig ruhst und zu viel willst.
Und wenn du fertig bist mit Verständnis versorgst du dich und dann dein Kind.

Deinem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, heißt, es zu hören, zu sehen und es in seinem ganzen Wesen wahrzunehmen. Deine aufmerksame Haltung ist Ausdruck von Liebe und Wertschätzung und du stillst damit eins seiner emotionalen Grundbedürfnisse. Du nährst damit den Selbstwert deines Kindes.

Also bitte.
Bedürfnisse wollen befriedigt sein.
Hau raus die Aufmerksamkeit, den Trost und das Versorgen.

Schenk euch Aufmerksamkeit.
Nähr euch.
💚
Break the cycle.

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